Werfer-Jugend trainiert für Olympia 2012

By jobo72

Die Deutschen Jugendmeisterschaften der Leichtathleten im Berliner Olympiastadion, 18.-20. Juli 2008, mit tollen Ergebnissen, vor allem beim männlichen Nachwuchs im Kugelstoßen und Diskuswerfen.

Für mich war es eine Reise in die Vergangenheit. Vor 17 Jahren hatte ich das große Glück, selbst einmal an Deutschen Jugendmeisterschaften teilzunehmen. Austragungsort war das damals das Berliner Olympiastadion. Nun fuhren die jungen Athleten wieder nach Berlin. Die traditionsreiche Arena sah spannende Wettkämpfe und im männlichen Bereich einen bärenstarken Werfernachwuchs, insbesondere im Kugelstoßen und Diskuswerfen. In diesen Disziplinen hat sich seit meinen Jugendjahren wirklich was entwickelt.

Bei der B-Jugend (das sind die 16/17jährigen) überzeugte der Kulmbacher Kai Grüner mit beiden Geräten – und dazu noch im Hammerwerfen, eine sehr seltene Kombination von Wurfgewalt! Am Ende standen zweimal Gold (Diskus, Hammer) und einmal Silber (Kugel) zu Buche. Er wird sich irgendwann entscheiden müssen, in welcher Disziplin er internationale Klasse entwickeln möchte – ein echtes Luxusproblem. Ich würde ihm den Diskus als Wurfgerät Nr. 1 empfehlen, denn die 63 Meter, die er in diesem Jahr schon geworfen hat, sind bereits internationale Klasse.

Erfreulich aus niederrheinischer Sicht: Phillip van Dijck, Sohn meines damaligen Diskus-Kollegen Paul aus Nieukerk (dem ich – Asche auf mein Haupt – immer noch eine Kiste Bier schulde…), belegte einen hervorragenden vierten Rang. Erfreulich aber auch, dass die Breite in der Spitze stimmte: 13 Athleten haben in dieser Saison schon über 50 Meter geworfen. Das ist eine fantastische Leistungsdichte!

Mit der Kugel siegte in der jüngeren Jugendklasse Marcel Bosler mit sehr guten 20,65 m.

In der A-Jugend (das sind die 18/19jährigen) kristallisiert sich noch deutlicher, wer wirklich das Zeug zum kommenden Olympioniken hat. Ein Name kann dabei ohne Zögern genannt werden: Gordon Wolf, der U20-Weltmeister im Diskuswurf. Souverän gewann er mit fast 60 Metern den Titel, eine Weite, die ihn sogar etwas enttäuschte. Ein solcher Ergeiz zeichnet Sieger aus! Wolf kann im nächsten Jahr, seinem zweiten in der Jugendklasse, sogar den Deutschen Rekord von Michael Möllenbeck (64,50 m) aus dem Jahre 1988 gefährden und vielleicht zurückkehren ins Olympiastadion – zur Weltmeisterschaft. In der aktuellen DLV-Bestenliste der Männer liegt er immerhin schon auf Platz sechs. Was Wolf mit dem Diskus, das ist David Storl mit der Kugel: U20-Weltmeister. Der Chemnitzer wuchtete das 6 kg schwere Gerät fast 20 Meter weit und untermauerte damit seine Ausnahmestellung. Eines hat er seinem Kollegen Wolf allerdings schon voraus: Vor den Meisterschaften hatte Storl bereits einen neuen Deutschen Jugendrekord aufgestellt (21,08 m).

Fazit: Eine neue Generation von ausgezeichneten Werfern wächst heran. Eingedenk der Tatsache, dass die „schweren Jungs“ unter den Leichtathleten ihr Leistungszenit erst mit Ende Zwanzig erreichen, liegt vor den Aktiven ein Jahrzehnt harte Trainingsarbeit. Ich bin sicher: Weitere Erfolge bei Meisterschaften, national wie international, werden folgen. Zu hoffen bleibt, dass diese ihnen nicht zu Kopf steigen und dass sie motiviert und gesund bleiben. Vor allem aber sauber.

(Josef Bordat)

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