China, Tibet, der Westen und die Spiele

By jobo72

Hinweis auf eine Veranstaltung der Heinrich-Boell-Stiftung und der tageszeitung taz

„Zwischen Boykott und Kooperation: Das Dilemma der westlichen Außenpolitik im Umgang mit China“

Zeit: Dienstag, 6. Mai 2008, 19.30 Uhr

Ort: Galerie der Heinrich-Böll-Stiftung, Rosenthaler Str. 40/41, Aufgang 1, 5. OG, Berlin-Mitte

Es nehmen teil:
Prof. Thomas Heberer (Universität Duisburg-Essen)
Stefan Kornelius (Süddeutsche Zeitung, München)
Antje Vollmer (Vizepräsidentin des Deutschen Bundestags a.D., Berlin)

Moderation: Sven Hansen (taz, Berlin)

***

China steht derzeit im Mittelpunkt der Weltöffentlichkeit. Das Interesse richtet sich dabei auf das Gastgeberland der Olympischen Spiele 2008, die im August in Peking stattfinden (sollen). Der Auftakt des olympischen Veranstaltungskanons war mehr als holprig: Der traditionelle Fackellauf um die Welt, geplant als „Reise der Harmonie“, gerät zum Spießrutenlauf für die neue Weltmacht. Vor den anstehenden Spielen wirken die Proteste in Tibet und der im Westen überaus populäre Dalai Lama wie Katalysatoren für eine China-kritische westliche Öffentlichkeit. Am Pranger stehen Chinas Schattenseiten wie etwa die Minderheitenpolitik, mangelnde Rechtsstaatlichkeit und die Missachtung von Menschenrechten. Westliche Athleten kündigen politische Protestaktivitäten an, die Welt debattiert den Boykott der Eröffnungsfeierlichkeiten oder sogar der gesamten Spiele.

Dabei hat der Westen kein Monopol auf Boykott-Maßnahmen. In China wird mittlerweile der Boykott französischer Produkte angeregt, als Protest gegen die massive Störung des Fackellaufs in Paris. China kritisiert die westlichen Medien als einseitig, arrogant und ungerecht. Aber nicht nur in der chinesischen Regierung, sondern auch in breiten Teilen der Bevölkerung stoßen die westlichen Proteste auf Unverständnis: Sie werden nicht als Ausdruck einer demokratischen Öffentlichkeit wahrgenommen, sondern als organisiertes „Spiele –Verderben“.

Das Verhältnis zwischen China und dem Westen droht nachhaltig gestört zu werden. Manche sprechen schon von Anklängen eines „neuen kalten Krieges“. Dabei sind China und der Westen wirtschaftlich, aber zunehmend auch politisch aufs Engste miteinander verflochten. Kooperation statt Konfrontation scheint deshalb wichtiger denn je.

Die Außenpolitik Deutschlands und des Westens steht vor einem Dilemma. Wie können die wichtigen Beziehungen zu China aufrechterhalten werden, ohne die eigenen Werte zu ignorieren und die eigene demokratische Öffentlichkeit vor den Kopf zu stoßen? Das Verhalten deutscher Politikerinnen und Politiker gleicht einem delikaten Seiltanz: Kein Erscheinen der wichtigsten deutschen Vertreter auf der olympischen Eröffnungsfeier, ein Treffen der Kanzlerin mit dem Dalai Lama, gleichzeitig aber das Bemühen um gute Beziehungen und die Sorge um eine Destabilisierung Chinas mit unabsehbaren Konsequenzen für die ganze Welt: Wie sollen sich deutsche und westliche Außenpolitik in dieser brisanten Situation verhalten?

Man darf gespannt sein, welche Antworten die Runde auf diese brisante Frage gibt. Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

(Josef Bordat)

Schlagworte: , , , ,

Einen Kommentar schreiben