Diskuswurf-Dossier IV

By jobo72

Die griechische Kunst des Diskoswerfens. Text, Bild und Wirklichkeit

Prof. Dr. Luca Giuliani, Leiter des Wissenschaftskollegs zu Berlin, konnte neben einigen hochinteressanten philologischen Bemerkungen zum Verhältnis von Text und Bild in den historischen Wissenschaften, für den Diskuswurf folgende Feststellungen machen:

1.    In der Antike wurde nicht aus einer Pendelbewegung, sondern aus einer 180-Grad-Drehung geworfen. Der berühmte Diskobol von Myron zeigt einen Werfer, der den Diskus mit Schwung zurückführt, um dann eine Drehbewegung einzuleiten. Anders lasse sich die extreme Verwringung des Körpers nicht deuten. Zudem spreche Philostrat von einer flächigen Begrenzung des Wurfbereichs, was bei einem Pendelwurf aber keinen Sinn ergebe.
2.    Die Vorschrift, nach der von 1896 bis 1912 bei den ersten Olympischen Spielen der Neuzeit aus einer Pendelbewegung geworfen werden musste, basiert auf einer Fehlinterpretation griechischer Statuen.
3.    Die halbe Drehung der Antike ist nicht vergleichbar mit der anderthalbfachen Drehung heute, bei der nur noch die Vorspannung (das Zurückführen des Diskus zu Beginn der Drehung) Ähnlichkeit zur antiken Technik aufweist. Durch die Größe des Wurfkreises sowie die griffige und doch ebene Oberfläche des Rings können heute weit größere Beschleunigungswerte (und Wurfweiten) erzielt werden.

Für alle, die Mühe haben, die Technik des Diskuswerfens zu erlernen, sei an die griechische Wurzel des Wortes „Technik“ erinnert: τεχνή [techné] bedeutet auch „Kunstfertigkeit“.

(Josef Bordat)

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